Motorradbekleidung: So kaufst Du, was dich glücklich macht!

Leder oder Textil? Wie wird was hergestellt? Woraus besteht die Textilbekleidung genau? Willst Du maximalen Spaß am Motorradfahren erleben, solltest Du deine Motorradkluft bewusst auswählen. Unsere Materialkunde erklärt die wichtigsten Merkmale.
 

 

Motorradbekleidung ist nicht nur ein Fashion-Statement, sondern erfüllt in erster Linie eine Schutzfunktion. Gesetzlich ist das Tragen von Motorradzubehör keine Pflicht, wir manche Versicherungen knüpfen Ihre Leistungen jedoch an das Tragen von Stiefeln oder Handschuhen.
Das Außenmaterial deiner Motorradkluft sollte möglichst reißfest und widerstandsfähig sein. Übleicherweise wird hierfür Leder oder Cordura verwendet. Hinzu kommen sogenannte Protektoren. Dabei handelt es sich um eine Art Panzerung. Protektoren bestehen aus einer harten Schale, z.B. aus Kevlar, und einem weichen Schaumpolster. Besonders wichtig sind auch Rückenprotektoren, die in der Regel jedoch extra gekauft werden müssen. Bei einem Sturz soll die Schutzausrüstung verhindern, dass der Körper direkt mit dem Straßenbelag in Berührung kommt. Durch diese Dämpfung trägt der Fahrer weniger Verletzungen davon. Die Motorradbekleidung muss in den meisten Fällen nach einem Sturz erneuert werden.

 

Lederbekleidung

Im Falle eines Falles ist Lederbekleidung immer noch die beste Versicherung. Doch bevor Leder schützen kann, ist sehr viel Arbeit fällig. Leder-Rohware ist ein Abfallprodukt. Rinder-, Ziegen- und Hirschhäute fallen nämlich bei der Fleischproduktion an. Die Haut besteht zu 65 Prozent aus Wasser. In der Gerberei wird in vielen Schritten (Entfleischen, Enthaaren, Spalten, Gerben, Entwässern, Abschleifen, Färben, Trocknen, Walken, Zurichten) aus der empfindlichen Haut robustes Leder. Eine Rinderhaut vom Schlachthof wiegt 40 Kilogramm, das sechs Quadratmeter große Fertigleder nur noch knapp 5. Für eine normale Lederjacke werden rund 50 Teile vernäht, ein Paar Sporthandschuhe bringt es auf 140. In einer aufwendigen Lederkombi stecken bis zu 200 Teile und 7,5 Stunden Arbeitszeit. Davon sind gut vier Stunden Näharbeit. Das erklärt, warum die meisten Anbieter – auch namhafte Marken – in Fernost oder Osteuropa nähen lassen: Das Lohnniveau ist dort noch niedrig, wobei die im Zuschnitt und der Näherei Beschäftigten gesuchte Facharbeiter sind, die im Verhältnis zu den meisten ihrer Landsleute relativ gut verdienen. Das robustete Gebrauchsleder ist übrigens Känguruleder.

Die Motorradbekleidung aus Leder wird meistens von Sportlichen Fahrern getragen. Eine Lederkombi sitzt straff am Körper und kann nicht verrutschen. Dabei sind Sie besonders haltbar. Leder als Naturmaterial ist zäh und gleichzeitig geschmeidig, weitestgehend wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv. All dies sind Eigenschaften, die auch eine gute Motorradjacke auszeichnen. Allerdings muss man Leder pflegen, sonst sieht eine Lederjacke bald nicht mehr schön aus. Gegenüber Textil-Jacken ist Motorradbekleidung aus Leder zwar teurer, aber sie schützt auch besser. Es gibt 1. Teiler Lederkombis, sprich Jacke und Hose ist Einteil. Es gibt aber auch 2. Teiler Lederkombis, da sind Jacke und Hose nicht aneinander genäht.
 

Lederkombination

Lederarten: überwiegend vollnarbiges Rind, seltener Ziege (eher für klassische Lederbekleidung), Känguru (nur Sportkombis)
Stärken: 1,0 bis 1,5 Millimeter
Herkunft: Top-Qualitäten aus Europa (Italien, Österreich), Asien (Korea) und Australien, mittlere und niedrige Qualitäten aus Südamerika und Asien (Argentinien, Brasilien, China, Pakistan, Indien)
Konfektion: überwiegend Osteuropa und Asien.
 

Lederhandschuhe

Lederarten: Rind, Ziege und Känguru (eher für Sporthandschuhe), seltener Hirsch
Stärken: 0,7 bis 1,0 Millimeter (bei wasserdichten Tourenhandschuhen häufig Mix aus Textil und Leder)
Herkunft: alle Qualitätsstufen überwiegend aus Asien (China, Pakistan), teurere Ware aus Europa (Deutschland, England) und Australien
Konfektion: überwiegend Osteuropa und Asien (China, Pakistan)
 

Lederstiefel

Lederarten: überwiegend Rind (teilweise zugerichtetes Spaltleder), Ziege (in Teilbereichen), Känguru (für Sportstiefel)
Stärken: 1,5 bis 1,7 Millimeter (leichte Sportstiefel), 1,9 bis 2,5 Millimeter (Touren),
2,5 bis 3,5 Millimeter (Offroad)
Herkunft: Top-Qualitäten aus Europa (speziell Deutschland, Italien), mittlere und niedrige Qualitäten zumeist aus Asien (China, Pakistan)
Konfektion: Europa und Asien

Unsere Tipps für die richtige Pflege von Motorradbekleidung aus Leder.

 

Textilbekleidung

Motorradbekleidung aus Textil ist heute sehr beliebt. Besonders in der preislichen Mittelklasse bis 500 Euro boomt der Markt. Sie hat den Vorteil, dass sie einerseits abriebfest und stabil ist, auf der andren Seite aber auch über atmungsaktive Stellen verfügt, was sich besonders im Sommer auszahlt. Am häufigsten kommt beim Außenmaterial die extrem stabile Faser Cordura zum Einsatz. Im Gegensatz zu schlichtem Polyester ist das Material deutlich reißfester, sodass bei einem Unfall die Bekleidung nicht durchgescheuert wird. Fast jede Motorradbekleidung aus Textil können Sie Zuhause Waschen und anschließend Imprägnieren, um die Wasserdichtigkeit zu garantieren. Gegenüber der Lederbekleidung ist eine aus Textil weniger aufwändig in der Pflege, aber auch nicht ganz so robust.

Die Protektorenkombi bzw. die Jacke nebst Hose haben neben ihrer Schutzfunktion im Falle eines Sturzes auch die wichtige Aufgabe, den Zweiradfahrer warm zu halten. Ein unterkühlter Fahrer ist unkonzentriert und macht Fehler. Die Kleidung darf aber im Sommer auch nicht zu heiß sein, weil ein überhitzter Fahrer ebenfalls in seiner Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt ist. Bewährt haben sich hier in dieser Hinsicht Textilbekleidungen, welche mit einer Klimamembran versehen sind. Diese Klimamembranen (z. B. Gore-Tex, Sympatex, etc.) lassen Deinen Schweiß in Form von Dampf nach außen, machen die Kleidung wasserdicht und sind windundurchlässig.
 

Gore-Tex

Die Poren dieser Membran sind rund 20 000-mal kleiner als ein Wassertropfen, jedoch 700-mal größer als ein Wasserdampfmolekül.
 

Sympatex

besteht zu 70 % aus wasserabweisendem („hydrophobem”) Polyester, zu 30 % aus Polyether, dessen wasserliebende („hydrophile”) Moleküle die Feuchtigkeit auf physikalisch-chemischen Weg nach außen befördern.
 

Mittelklasse

Meist in Fernost von spezialisierten Herstellern wie Hipora, Reissa oder Toray produziert. Einige Bekleidungshersteller versehen diese mit eigenem Namen, z. B. D-Dry, H2Out, Polo-Tex + Premium-Tex, Sheltex, Wind-Tex
 

gehobene Mittel- und Oberklasse

Gore-Tex und Gore-Tex XCR: mikroporöse Folie aus Polytetrafluorethylen (PTFE), XCR steht für „extended comfort range“ und ist eine noch dampfdurchlässigere und deshalb sommertauglichere Version. Sympatex: dünne, porenlose Klimamembran auf Polyesterbasis, die Wasserdampf entlang der Molekülketten von innen nach außen transportiert. c-change (seit 2007): porenlose, klimatisierende Membran von Schoeller, die je nach Temperatur ihre Polymerstruktur ändert
 

14. Juni 2016