Wie gefährlich sind Medikamente am Steuer?

Auto-, Bus-, Motorrad- oder Fahrradfahren – ein No-Go, wenn Du Alkohol getrunken oder illegale Drogen konsumiert hast. So weit, so gut und nichts Neues. Dass aber auch viele Arzneimittel die Fahrtüchtigkeit gewaltig beeinflussen können, ist den Wenigsten bewusst.

 

 

Wir Deutschen nehmen gut und gerne allerlei Medikamente zu uns. Wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in ihrem Bericht “Die Apotheke: Daten, Zahlen, Fakten 2015” berichtet, wurden 2014 insgesamt 1.391 Mio. Packungen an Arzneimitteln in Deutschland verkauft. 37,5 Prozent (1.391 Mio. Packungen) dieser Medikamente dienten dabei zur Selbstmedikation, waren also entweder frei verkäufliche Arzneimittel oder apothekenpflichtige, aber nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Auch wenn diese Arzneimittel zum Teil recht leicht zu erwerben sind, solltest Du die Risiken nicht unterschätzen. Viele der Medikamente weisen untereinander Wechselwirkungen auf und einige können darüber hinaus die Fahrtüchtigkeit über mehrere Stunden, teilweise bis zu 16 Stunden nach Einnahme, stark beeinflussen.


Was passiert, wenn du unter Medikamenten-Einfluss fährst?

Die größte Gefahr geht von Arzneimitteln aus, welche auf Dein Gehirn oder/und Dein Herzkreislaufsystem wirken. Natürlich fallen Wirkung und Nebenwirkung bei jedem Menschen geringfügig unterschiedlich aus (abhängig von: Alter, Geschlecht, Gewicht / Einnahme regelmäßig oder sporadisch / an die Dosierungsvorschriften gehalten oder nicht / Wechselwirkung mit andren Medikamenten), dennoch ist es Fakt, dass bestimmte Arzneimittel Deine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit stark herabsetzten. Im Straßenverkehr bist Du dann leider völlig unbrauchbar, oft sogar als Fußgänger.

Wenn Du Auto fährst und Medikamente oder Präparate, auch frei verkäufliche, zu Dir nimmst, solltest Du dies immer mit einem Arzt oder Apotheker absprechen. Vergiss dabei nicht, alle, wirklich alle Arzneimittel aufzuzählen, die Du nimmst, um auch ein mögliches Risiko durch Wechselwirkungen auszuschließen.

 

Richtiger Umgang mit Medikamenten

  • – Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit ALLER Medikamente abklären!
  • – Mögliche Wechselwirkungen unterschiedlicher Arzneimittel berücksichtigen!
  • – Beipackzettel beachten!
  • – Aufmerksam auf Warnzeichen wie Schwindel oder Müdigkeit achten!
  • – Genauestens an die Angaben zur Dosierung halten!
  • – Besondere Vorsicht ist bei Alkohol geboten! Bei der Einnahme von Schlafmitteln oder Psychopharmaka unbedingt auf Alkohol verzichten!
  • – Setze Deine Medikamente niemals selbstständig ab, ohne mit Deinem Arzt gesprochen zu haben!

 


Ein besonderes Risiko für die Fahrtüchtigkeit geht von folgenden Medikamenten aus:



Antiasthmatika

= gegen Asthma.
Kann die Teilnahme am Straßenverkehr besonders bei hohen Dosen stark beeinflussen.


Antibiotika

= gegen Infektionskrankheiten durch Bakterien.
Das Reaktionsvermögen kann beeinflusst werden. Sehr selten kommt es sogar zu Kurzsichtigkeit und akuten Psychosen.


Antidiabetika

= gegen Diabetes.
Mögliche Unterzuckerung (Hypoglykämie) vor allem bei Neueinstellung und Umstellung. Anzeichen: Unruhe, Verwirrtheit, Schwitzen, Zittern, Sehstörungen, Konzentrationsschwäche, Krampfanfälle, Koma.


Antiepileptika

= gegen Epilepsie.
Können je nach Dosierung besonders ein bis vier Stunden nach Einnahme stark beruhigend wirken und müde machen.


Antihistaminika

= heben die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin auf.
Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen kann durch Sedierung herabgesetzt werden.


Antihypertensiva

= gegen Bluthochdruck.
Besonders zu Beginn der Behandlung kann es zum plätzlichen Blutdurckabfall kommen. Anzeichen: Sehstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufkollaps, Benommenheit, Müdigkeit, herabgesetztes Reaktionsvermögen auch noch nach längerer Einnahme möglich. Unbedingt auf Alkohol verzichten!


Antikoagulantien

= Blutverdünner.
Bergen die Gefahr akuter Blutungen. Die Behandlung sollte regelmäßig ärztlich überwacht und die Fahreignung durch ein entsprechendes Attest bestätigt werden.


Anorektika

= Appetitzügler.
Puls- und Blutdruckerhöhungen sind mögliche Risikofaktoren.


Nichtsteroidales Antirheumatikum

= entzündungshemmende Schmerzmittel.
Mögliche Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Atemwegsverkrampfungen und Blutdruckabfall bis hin zur Schockreaktion.


Erkältungsmittel


Mögliche Nebenwirkungen, auch bei ordnungsgemäßer Dosierung: Müdigkeit, Benommenheit, Schwiindel, verlängerte Reaktionszeit, Nervosität und Herzklopfen.


Koronarmittel

= Herzmittel.
Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens, beeinträchtigende Blutdrucksenkung.


Magen-Darm-Mittel


Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens, Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Unruhe. Unbedingt auf Alkohol verzichten!


Narkotika

= zur ambulanten Kurznarkosen, Lokalanästhesien. , Allgemeinanästhetika.
24 Stunden Fahrverbot nach ambulanten Operationen! Beeinträchtigung psychomotorischer Funktionen.


Ophthalmika

= Augenheilmittel.
Störungen der Akkomodation, erhöhte Blendempfindlichkeit, gestörtes Sehvermögens, schlechteres Reaktionsvermögen.


Psychopharmaka

= Neuroleptika, Antidepressiva, Tranquilizer.
Dämpfung, Antriebsminderung und -steigerung, Störungen von Psychomotorik und Koordination, Kreislaufbeschwerden, niedrigere Krampfschwelle, Dämpfung des zentralen Nervensystems.


Sedativa, Hypnotika

= Beruhigungs- und Schlafmittel.
Auswirkungen auf psychomotorische Funktionen, besonders durch lange Halbwertszeiten und die Anreicherung im Körper. Dämpfung des zentralen Nervensystems, Beeinträchtigung der Muskelfunktion, vermindertes Reaktions- und Leistungsvermögen, schlechte Konzentrationsfähigkeit.


Stimulantien

= Aufputschmittel.
In Mitteln gegen Grippe sind häufig Aufputschmittel enthalten. Diese gaukeln dir vor, dass du dich schnell viel besser und fitter fühlst. Lässt die Wirkung jedoch wieder nach, überkommt dich oft eine große Müdigkeit, die für die Teilnahme am Straßenverkehr enorme Gefahren birgt.
 


Und was, wenn etwas passiert?


Grundsätzlich gibt es kein Gesetz, welches Dir vorschreibt, ob oder ob nicht Du Auto fahren darfst, wenn Du Medikamente genommen hast. Verursachst Du jedoch einen Unfall und es wird durch einen Bluttest festgestellt, dass Du beispielsweise Beruhigungsmittel eingenommen hast, kann dies nicht nur Geldstrafen und Fahrverbot nach sich ziehen. Auch der Kaskoversicherungsschutz erlischt und bei schweren Unfällen droht Dir sogar eine Freiheitsstrafe.

 


In folgenden Fällen gilt ein allgemeines Fahrverbot

  • – in den ersten 24 Stunden nach einer Narkose
  • – nach der Einnahme von starken Schmerzmitteln wie z.B. Opioid-Analgetika
  • – nach Untersuchungen an Deinen Augen, bei welchen Deine Pupillen, meist durch spezielle Tropfen, geweitet wurden und die Sehschärfe beeinträchtigt ist.

 

15. März 2016