Traumauto importieren: Darauf musst Du unbedingt achten!

Immer mehr Menschen schauen beim Autokauf auch ins Ausland. Dank verlockender Preise, meist 30 % günstiger als in Deutschland, wird der Autoimport aus dem Ausland immer attraktiver. Aber auch US-Importe sind aufgrund ihres Seltenheitswertes besonders beliebt. Wie viel Bürokratie und Kopfschmerzen damit verbunden sind, unterschätzen die Meisten jedoch.

 

 

Import aus dem Nicht-EU-Ausland

Wer ein cooles US-Car will, muss hierzulande in der Regel deutlich draufzahlen. Deshalb kann es unter Umständen günstiger sein, das gewünschte Auto zu importieren. Nach dem Kauf erhält man bei Gebrauchtwagen das sogenannten “Title / Certificate of Origin”. Dieses enthält Informationen zum eingetragenen Halter, das amtliche Kennzeichen und die Fahrgestellnummer des Autos. Bei einer Verschiffung musst Du dieses Dokument unbedingt vorgelegen, um zu beweisen, dass das Auto Dir gehört. Bei einem Neuwagen erhälst Du anstatt des Titles ein „Manufacturer´s Statement of Origin“, welches im Grunde die selben Informationen enthält. Falls das Auto in den USA nicht gefahren wird, kann es per Anhänger direkt zum Hafen gebracht werden. In der Regel muss das Auto drei Tage vor dem Auslaufen des Schiffs vor Ort sein, damit es verzollt und aufgeladen werden kann. In den meisten Fällen ist das Traumauto nach 10 – 20 Tagen in Bremerhaven oder Hamburg angekommen. Dort musst Du das Auto verzollen. Hier kommen 10 % Zoll und 19% Einfuhrumsatzsteuer auf Dich zu. In der Regel werden ein Drittel des Kaufpreises bei der Einfuhr nach Deutschland fällig. Für die Zulassung wiederum musst Du dein neu erwobenes Auto bei einer technischen Prüfstelle wie dem TÜV-Süd für die „Einzelabnahme nach § 21 der StVZO“ vorstellen.

 

Um die Fahrzeugpapiere für Dein Schätzchen zu bekommen, musst Du der KfZ-Zulassungsstelle folgende Unterlagen vorlegen:

  1. Zoll-Unbedenklichkeitsbescheinigung (wird erteilt, wenn bei der Einfuhr des Autos alles vorschriftsgemäß von Statten gegangen ist)
  2. “Certificate of Title” oder „Manufacturer´s Statement of Origin“
  3. Die Kennzeichen aus den USA (bei Neuwagen natürlich nicht notwendig)
  4. Die Kaufrechnung im Original
  5. Das geforderte technische Gutachten einer deutschen Prüfstelle
  6. Elektronische Versicherungsbestätigungsnummer der deutschen Versicherung
  7. Personalausweis oder Pass

Der soeben beschriebene Ablauf gilt für fast alle Importe aus dem Nicht-EU-Ausland und es ist in jedem Fall ratsam für die Abwicklung des Transports ein international erfahrenes Speditionsunternehmen zu beauftragen.

 

Rechenbeispiel (Stand 21.03.2016)

 

Kaufpreis in Dollar: 20.000

Kaufpreis in Euro: 17.757 Frachtkosten in Euro: 900€

= 18.051,04 €

 

18.051,04€ + 10% Verzollung 1.805.10€

= 19.856,14 €

 

19.856,14 €  + 19% Umsatzsteuer 4.747,04€

= Gesamtpreis nach Zoll und Steuer 24.603,56 €

 

Import aus dem EU-Ausland

Etwas unkomplizierter gestaltet sich der Import eines Neu- oder Gebrauchtwagen aus dem EU-Ausland. Viele Autoverkäufer locken mit einer Ersparnis von bis zu 30 %. Natürlich kannst Du Dich im Ausland auch selbstständig auf die Suche nach Deinem Traumauto machen.

Dabei gibt es

  1. RE-Importe: Das Auto wurde in Deutschland hergestellt, ins Ausland exportiert und wird nun von Dir wieder reimportiert.
  2. EU-Importe: das Auto wurde in einem anderen Land hergestellt, unter Umständen kann es Abweichungen zu den in Deutschland geltenden Standards geben, und Du importierst es nach Deutschland.

 

Deshalb kannst Du beim Kauf im Ausland sparen

Für die Ersparnis sind in erster Linie die unterschiedlichen Besteuerungen innerhalb der EU verantwortlich. In Deutschland sind diese mit 19 % Mehrwertsteuer im Gegensatz zu den restlichen EU-Ländern relativ niedrig. Durch das Freihandelsabkommen muss die Ware, in diesem Fall das Auto, außerdem nicht zusätzlich verzollt werden.

In anderen EU-Ländern hingegen muss beim Kauf bzw. bei der Zulassung eines Autos mit viel höheren Steuern gerechnet werden. Damit ein Autokauf trotzdem attraktiv ist, reagieren Händler oft damit, den Nettopreis (Preis ohne Steuern) besonders niedrig zu halten.

 

Zusätzlich zu den Kaufkosten musst Du Kosten für den Transport einplanen. Da Du das Auto nicht im Ausland, sondern erst in Deutschland anmelden wirst, musst Du ein Transportfahrzeug organisieren oder Kurzzeitkennzeichen beantragen. Diese sind 5 Tage gültig und werden nach Vorlage der Versicherungsbestätigungsnummer (wird beim Abschluss einer Kfz-Versicherung von der Versicherung übermittelt) und dem Personalausweis ausgehändigt. Eine Verzollung ist nur bei Neuwagen (älter als 6 Monate oder weniger als 6000 km) fällig.

 

Rechenbeispiel

Bei unseren Nachbarn in Holland gibt es zusätzlich zur Mehrwertsteuer von 19 % eine Verbrauchssteuer (BPM) von 45,2 %. Um trotzdem Autos zu verkaufen, senkt der Hersteller den Nettopreis im Gegensatz zum Preis in Deutschland um mehrere Tausend Euro. Da das Auto aber nicht in den Niederlanden zugelassen wird, entfällt für den deutschen Käufer die Verbrauchersteuer. Er spart also effektiv die 45,2 %, muss nur die deutsche Mehrwertsteuer zahlen und profitiert vom günstigen Nettopreis in den Niederlanden. So kann ein VW-Polo beispielsweise 5.000 Euro billiger sein.

Hinsichtlich der Ausstattung müssen oft Abstriche gemacht werden. So sind beispielsweise elektrische Fensterheber oder andere Features oft nicht enthalten. Die Garantie gilt in den meisten Fällen nur bei einer Vertragswerkstatt des Herstellers, in vielen Fällen sogar nur in genau der Werkstatt, in welcher das Auto gekauft wurde. Bei einem Motorschaden musst Du Dein Auto gegebenenfalls also ins EU-Ausland bekommen, was teuer und kompliziert werden kann.

 

EU-/Re-Importe in Deutschland zulassen

Für die Zulassung bei der Kfz-Zulassungsstelle benötigst Du den originalen Kaufvertrag, ein Serviceheft mit Datum, Firmenstempel und Unterschrift, sowie eine COC-Bescheinigung. Diese stellt klar, dass die Fahrzeugeigenschaften den EU-Standards entsprechen. Im Klartext heißt das, dass Dein Auto auch in Deutschland vollständig fahrtüchtig ist. Mit diesen Papieren klappt die Anmeldung meist problemlos.

 

Fazit

Egal ob US-Fahrzeug oder günstiger EU-Import, ob sich der bürokratische Aufwand wirklich lohnt, bleibt fraglich. Dabei ist zum Beispiel zu bedenken, dass die Beauftragung einer Speditionsfirma die Preisersparnis in der Regel halbiert. Bei einigen Modellen kann es jedoch sein, dass es durch den Seltenheitswert in Europa durch den Import nach Deutschland zu einer rentablen Wertsteigerung kommt.

21. März 2016